Brandy und die Wegwerfgesellschaft

Hallo, ich bin Brandy und schreibe euch und meinem Menschen heute aus dem Hundehimmel. Eigentlich hatte ich ein ganz tolles Leben. Als junger Hund war ich einer der Wenigen "Aussies" hier in der Umgebung, ein echter Rassehund, wertvoll und für meinen Menschen eigentlich sowieso unbezahlbar. Wir waren unzertrennlich, Herrchen, Frauchen und mein "Kollege" und ich. Wir unternahmen ausritte und verbrachten so gut wie jede freie Minute miteinander. Frauchen hatte meinen Sohn behalten. Wir waren ein gutes Team zu viert!
Dann ist Herrchen weg gegangen und konnte mich nicht mitnehmen. So bin ich eben bei Frauchen und dem neuen Mann geblieben. Und dann wurde ich langsam alt, wie jeder halt. Aber ich kam in den Zwinger, was ich nicht kannte und auch nicht mochte. Nur noch selten durfte ich mit wenn man was unternahm. Ich fühlte mich älter als ich war, wurde steif und gebrechlich. Und eines Tages fand ich mich vor dem Reitstall in Obergünzburg wieder, völlig entkräftet und erschöpft mit blutigen Pfoten und ohne jeden Lebensmut. Nette Mädchen brachten mich dann ins Tierheim, wo ich erst mal gepäppelt wurde. Auch eine Notoperation wurde gemacht, weil ich einen längst überfälligen Tumor mit mir herum trug. Und dann haben sie meine Familie gesucht. Ich dachte, Frauchen holt mich bestimmt bald ab, schließlich hat sich mich doch lieb, und weit weg wohnen tun wir ja eh nicht.

Doch Frauchen kam nicht. Und kam nicht. Und kam nicht. Mein altes Herrchen hat mich auch nicht geholt, aber heute von hier oben, glaube ich, Frauchen hat ihm gar nichts davon erzählt, sonst hätte er mich bestimmt zu sich geholt. Und als ich merkte, dass mein Frauchen mich nicht mehr haben will, wollte ich auch nicht mehr leben. Da hat mich meine Pflegerin mit zu sich nach hause genommen, zu ihren zwei Hundedamen und ihrem Kater. Da ging es mir dann noch mal kurzfristig richtig gut. Aber geholfen hat es auch Nichts.

Weil: Mein kleines Hundeherz war gebrochen. Mein Mensch wollte mich nicht mehr haben. Aber meine Freundin Maika besuchte mich oft. Sie kannte mich von früher, wusste woher ich komme, kannte meinen Namen und hat versucht mein Herrchen doch noch zu finden, leider erfolglos. Aber da wir früher schon Freunde waren, hat sie sich jetzt halt auch um mich gekümmert. Und als es dann so weit war und mein Herz und meine Lungen auch nicht mehr so wollten, durfte ich die letzte Reise in den Armen meiner Pflegerin und meiner Freundin Maika antreten, den letzten Menschen, die mich wohl wirklich lieb gehabt haben. Und weißt Du was, Mensch? Wenn Du das liest, sollst Du wissen, dass ich Dich trotzdem bis zum Schluss in meinem kleinen Hundeherz mit mir getragen habe. Auch wenn Du mich weder besucht noch für meine Behandlung bezahlt hast.

Denn ein Hundeherz liebt nun mal uneingeschränkt und hört nicht beim Alter, Geld oder einem neuen Mann auf zu lieben, so wie bei Dir. Und wenn du Dir jetzt einen neuen Welpen kaufen willst, überleg genau was du mir angetan hast. Keiner meiner Brüder soll das selbe Schicksal teilen, dem Du mich überlassen hast.