Freizeitgestaltung mal Anders….

Auch wenn man gedacht hat, man hat schon vieles erlebt, es gibt immer wieder was Neues! Viele witzige, dramatische, traurige Ereignisse rahmen ein Jahr Arbeit im Tierheim ein. Vieles an das man sich gern erinnert, aber auch vieles, das man nicht unbedingt erlebt haben möchte. Oft erreichen uns Meldungen von besorgten Tierfreunden, Nachbarn, Verwandten, über Tierhaltungen oder Geschehnisse, denen sie nicht länger tatenlos zusehen können. Hier möchten wir Ihnen in Stichpunkten einen kurzen Einblick in die etwas außergewöhnlicheren Ereignisse unserer Arbeit ermöglichen.

Apfeltrang, ein Jäger hat einen verletzten Schwan gefunden, er hat sich beim Anflug in einer Hochspannungsleitung verfangen und ist abgestürzt. Nach zwei Stunden Einfangen gelang der Zugriff. Die Verbrennungen wurden versorgt, nach zwei Wochen konnte der Schwan wieder in die Freiheit.

Ettwieser Weiher, Spaziergänger melden einen Schwan mit aufgeschnittenem Schnabel. Polizei, Feuerwehr und Wasserwacht eilen uns zu Hilfe und nach längerer Jagd und nassen Füssen kann er geborgen werden. Die Vogelklinik Lindau operiert in derselben Nacht und bereits am nächsten Abend wird er von der Greifvogelstation Leitner und dem Tierschutzverein zurück zu seinen Jungen gebracht.

Und noch ein Schwan, mit weniger Glück. Er hat sich bei Schnee im Landeanflug an einem Zaunpfahl aufgespießt. Die Operation ist erfolgreich, doch nach dreiwöchiger Pflege verlässt ihn der Lebenswille, wir müssen ihn einschläfern lassen…

Elbsee, ein Kauzbaby wird von der Mutter verlassen mitten unter den Badegästen gefunden. Der Gesundheitszustand ist gut, wir bringen ihn zur Aufzuchtsstelle des Tierarztes, wo er danach auf sein Leben in Freiheit vorbereitet wird.

Geisenried, Spaziergänger haben einen Kadaver auf einem Feld gefunden. Wir fahren hin. Mit Entsetzen stellen wir fest, dass es sich um einen Hundekadaver handelt. Der Kopf wurde abgetrennt, offensichtlich mit einem sauberen Schnitt. Dem Fell und Körperbau nach könnte es ein junger, schwarzer Pudelmischling gewesen sein. Er wurde einfach neben der Hauptstraße an einen Wegrand geworfen. Traurige Welt…

Mountainbiker melden mehrere langhaarige! Ratten bei einem einsamen Stadel. Neugierig machen wir uns auf den Weg… und treffen auf eine Gruppe Rosettenmeerschweinchen, deren man sich wohl auf diesem Wege entledigen wollte…

Rückholz, ein Haubentaucher (Ente) hat einen Angelhaken samt Schnur verschluckt und zieht diese samt Schwimmer hinter sich her. Das Paar hat Junge. Trotz mehrer Versuche gelingt es nicht, das Tier einzufangen. Auch Taucher haben keine Chance nahe genug an das blitzschnelle Tier heranzutauchen. Nach zwei Wochen ist die Schnur samt Schwimmer verschwunden. Hoffentlich konnte die Ente den Haken auch herauswürgen. Hier ein herzliches Dankeschön an die Taucher der Wasserwacht Roßhaupten, die uns unterstützt haben und die Hilfe und Organisation der Kollegin Gisela Egner der Arche Noah Nesselwang.

Görisried, ein Autofahrer hat einen stinkenden Müllsack an einem Waldstück entdeckt. Vor Ort finden wir Grausiges: In dem Müllsack befinden sich abgezogene Felle, verschiedener Farben, teilweise noch mit Kadaverresten daran. Aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustandes und abgetrennten Gliedmaßen kann nicht mehr mit Sicherheit unterschieden werden zwischen Katzen- und Hasenkadavern. Kranke Welt…

Dies sind nur einige Beispiele des alltäglichen Wahnsinns in unserem „Geschäft“. Diese Dinge sind es, aus denen ein großer Teil der Freizeitgestaltung eines aktiven Tierschützers besteht. Es werden verletzte Greifvögel und Wildtiere aufgelesen, misshandelte Hunde aufgesucht, ausgesetzte Tiere aufgenommen, Anzeigen und Meldungen kontrolliert, entfleuchte Vögel und Katzen von Bäumen geholt, Schildkröten aus Schächten befreit, verletzte Kühe und Pferde bei meist unerfreuten Landwirten inspiziert und die zeitraubendste Aufgabe: sämtliche Jungtiere und Flaschenkinder aufgezogen. Auch hier einmal ein wirklich großes Dankeschön an alle Helfer, die Stunde um Stunde, Tag und Nacht, wochenlang die Flasche geben und Mutterersatz spielen. Gerade bei Wildtieren eine heikle Angelegenheit, denn hier steht die Auswilderung nach der Aufzucht natürlich an erster Stelle. Die Tiere und wir wissen diesen Einsatz wirklich zu schätzen. Vielen Dank dafür.