Luc’s Vermittlung und andere Katastrophen

Ja, ja, sie lesen richtig. Unser Sorgenkind Luc, der hübsche Weimaraner-Bernersenn-Mix, der seit Jahren auf ein neues Zuhause wartet, durfte über die Weihnachtsfeiertage bei einer Familie „probewohnen“, die reges Interesse an unserem Süßen zeigte. Sie kamen ein paar mal, gingen mit unserem Gassi-Geher mit, und versuchten wie sich ihre eigene Hündin mit unserem Charmeur vertragen würde. Alles lief gut.


Luc

Kurz vor Weihnachten bat ich das Paar dann zu einem Gespräch, um noch einige wichtige Details anzusprechen, bevor sie Luc mit nach Hause nehmen würden. Denn Luc hat es faustdick hinter seinen hübschen Fransenohren!

Ich sprach alles an, was mir einfiel, auch wenn es mir bzw. den neuen Interessenten noch so belanglos vorkam. „Er macht alle Arten von Türklinken auf, er öffnet Backöfen und Kühlschränke und klaut alles was nach Nahrung aussieht. Er ist ein sehr selbstbewusster, selbständiger Hund, der es nicht nötig hat sich ständig selbst zu beweisen, nur wenn es nicht vermeidbar ist (in seinen Augen)! Bitte nicht frei laufen lassen, bitte die ersten Wochen nur mit Schleppleine arbeiten um die Abrufbarkeit (die besteht) nicht zu gefährden.“ usw., usw…..

Leider kam es mir doch eher so vor, als ob das nicht wirklich interessant wäre. Ich lies es mir trotzdem nicht nehmen, alles zu erwähnen und Ratschläge zu geben. Denn auch wenn man bereits Erfahrung mit einem Hund hat, jeder Hund ist anders. Und jeder selbstsichere Hund erst recht.

Die ersten telefonischen Auskünfte, wie es geht, waren sehr positiv. Alle waren happy und er ist ja so ein toller Hund. Dann kam bei der Kollegin die erste Meldung: Rückruf! Er stellt freilaufend entgegenkommende Passanten. Nach 4 Tagen? Freilaufend? Ein fremder Hund? In einem Wohngebiet? Tja, er hatte sich ja schon so toll eingewöhnt….. ohne Worte!

Ein paar Tage später erhalten wir von Luc´s Ex-Gassi-Geher einen Anruf, er stünde jetzt mit Luc vor seinem Haus. Die „Probefamilie“ hätte ihm Luc in die Hand gedrückt, ohne uns zu informieren, und nach dem er die Kaninchen der Kinder im Käfig getötet hätte (welche Kaninchen? Weder auf unserem Selbstauskunftsbogen noch im Gespräch ein Ton von Kleintieren im Haus! Wie Verantwortungslos!) Es war mir unerklärlich. Die Hunde waren wohl alleine gelassen worden in der für Luc immer noch neuen Umgebung. Die Türen waren offensichtlich nicht abgeschlossen, obwohl ich extra mehrfach davor gewarnt hatte. Luc, der bei uns und auch bei seiner Trainerin mitten durch Hühner und freilaufende Hasen gelaufen war, jetzt ein „Killer“?

Wir gaben uns damit zu frieden, wollten erst einmal abwarten, bis sich die Emotionen bei Familie O. gelegt hätten. Erst dann wollte ich anrufen und den genauen Ablauf rekonstruieren, um einen Auslöser für diese Aktion durch den Hund zu finden.

Statt dessen flattert uns eine Rechnung ins Haus: Über eine zerkratzte Tür, die Neuanschaffung eines Kaninchens (das sie gerne auch von uns hätten haben können), und gesalzene Beschwerden darüber, wie viel psychischen Schaden UNSER Tierheimhund bei Familie O.`s Kindern ausgelöst hätte.

Seien Sie uns nicht böse liebe Frau O., aber wir haben weder die Hunde allein gelassen im Haus mit den Hasen, von denen wir nichts wussten, noch haben wir es unterlassen Sie über die Geschicklichkeit des Rüden beim Türenöffnen zu unterrichten. Und ein Weimaraner ist ein Jagdhund. Das dürfte Ihnen nicht entgangen sein. Hätten Sie also Ihre Angaben wahrheitsgemäß getätigt, hätte dieses mit Sicherheit traurige Ereignis verhindert werden können.

Um die Reaktion Ihrer Tochter tut es uns wirklich sehr leid. Es ist sicherlich ein Schock für ein Kind in diesem Alter so eine grausame Entdeckung zu machen. Gerne wären wir bereit gewesen, Ihnen eines unserer Kleintiere als kleine „Wiedergutmachung“ anzubieten. Uns im Nachhinein den Kaufpreis bei einem Züchter für ein neues Tier zuzüglich der Kastration in Rechnung zu stellen, finde ich gelinde gesagt und vorsichtig ausgedrückt etwas unüberlegt und überzogen. Andere Worte träfen die Situation eher, würden aber den Höflichkeitsrahmen, den ich nicht verlassen möchte sprengen.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass ich hier meine persönliche Stellungnahme abgebe, und nicht im Namen des Vereins Stellung beziehe. Ich habe als Tierheimleitung das Beratungsgespräch mit Ihnen geführt, das offensichtlich um sonst war. Auch das Angebot, Ihnen die Trainerin, die mit Luc so ausgezeichnete Erfolge gehabt hat zur Seite zu stellen, stieß leider bei Ihnen auf taube Ohren.

Luc sitzt jetzt wieder in seinem Zwinger und kämpft mit den Folgen des seelischen Bruchs der ihm durch die Abschiebung zurück ins Heim zu Teil wurde. Aber das ist ja nur ein Hund, oder...?