Respekt tut Not

Wieder einmal nehmen wir uns dieses Thema sehr zu Herzen. Es ist ein leidiges Thema und traurig genug, dass man darüber reden bzw. schreiben muss. Meiner Meinung nach sollte es selbstverständlich sein, seinen Mitmenschen Respekt und Toleranz entgegen zu bringen. Denn nur miteinander können wir in Ruhe und Frieden leben. Doch mit der harmonischen Co-Existenz von Hundehaltern und Nichthundehaltern ist es schon lange nicht mehr weit her. Und Jäger, Förster und Landwirte sehen den durchschnittlichen Hundeliebhaber mit, sagen wir mal sehr gemischten Gefühlen.

Es wundert mich schon lange nicht mehr, dass es ständig zu verbalen und physischen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien kommt. Da wird beschimpft, getreten, geschlagen, verklagt, bedroht, misshandelt, psychisch unter Druck gesetzt, und vieles Mehr. Alles was einem schlechtlaunigen, mit sich und der Welt unzufriedenen Menschen so einfallen kann.

Aber, liebe Hundehalter, mal Hand aufs Herz: Wir sind nicht immer die unschuldigen, von der „landwirtschaftlichen Inquisition“ zu Unrecht gejagten und verfolgten Opfer, die ja nur in Ruhe mit dem Vierbeiner Natur erleben wollen und niemandem ein Leid zufügen. Ich bin selbst oft genug in Wald und Feld unterwegs, auch ich habe meist mehrere Hunde bei mir. Und immer wieder dasselbe Bild: Freilaufende Hunde aller Größen, die wild über die Felder toben, ohne jegliche Möglichkeit des Besitzers in irgendeiner Form auf sein Tier einzuwirken. Da sehe ich Hunde, die voll Genuss ein Reh jagend, im Wald verschwinden, verfolgt von einem laut kreischenden Ex-Rudelführer, der jegliche Kompetenz soeben eingebüßt hat. Ich treffe Jogger und Waldläufer, die voller Panik beim bloßen Anblick von Hunden am liebsten den nächsten Baum erklimmen möchten, weil die letzten fünf Begegnungen mit Hunden „die nur spielen wollten“ mit zerrissener Kleidung und blauen Flecken geendet hat. Landwirte kommen vom Feld auf mich zu, wütend schreiend, ob ich eine der Hundehalter bin, die Wiederkäuers Buffet als Hundeklo betrachtet.

Und noch ist mein Spaziergang mit den großen Hunden nicht beendet: Ich treffe auf Kinder, die Angst vor den Tieren haben, weil bereits zu viele Hunde sie einfach nieder gesprungen haben. Und auch die Mountenbiker und die leidgeprüften Inlineskater können ein Lied von Joggers bestem Freund, dem Hund „der nur spielen will“ singen.

Mal ehrlich, liebe Kollegen und Mitstreiter der Hundehalterfraktion. Wer von Ihnen wundert sich angesichts der aufgeführten Punkte über diverse Leinenzwangverordnungen, Maulkorbbeschlüsse, Betretungsverbote und alles Weitere, was uns Naturgenießern den Tag so verdirbt? Sind wir nicht alle, die wir schon einmal so wie die oben beschriebenen schwarzen Schafe mit unserem Hund überfordert waren, selbst Schuld an der Misere? Können wir es den kopflosen und völlig überforderten Gemeinde- und Stadträten übel nehmen, dass sie solche Ge- und Verbote ohne lange nach zu denken und sich kompetenten Rat zu holen erlassen?

Natürlich!, sage ich. Denn diese Lösungen sind keine solchen. Diese Lösungen verschärfen die Lage über längere Zeit extrem. Hunde, die nicht den täglichen Sozialkontakt und Auslauf in ausreichendem Maße erhalten, steigern sich in der Aggression ins unkontrollierbare. Die Reaktion auf Ereignisse wird unverhältnismäßig und ist von einer extrem tiefen Reizschwelle gezeichnet. Und wehe, wenn diese Hunde dann doch mal losgelassen….!

Das gegenseitige Hochschaukeln bringt nichts, die täglichen Streitgespräche mit dem Nachbarlandwirt auf dessen Feld, die Diskussionen mit dem örtlichen Jäger, das hinterher schreien nach einem Fahrradfahrer,…. Dies alles sind Stationen in dem täglichen Hürdenlauf Gassi-Gehen für einen Großteil der deutschen Hundehalter.

Wäre es wirklich so schwer, seiner Umwelt ein wenig entgegen zu kommen? Ist es wirklich zu viel verlangt, mit einem Hund zu arbeiten, bis die Wildtiere im Wald vor ihm sicher sind? Muss ich es riskieren, dass mein braver Haushund „Blut lechzt“… und ein Kitz oder einen Hasen in Todesangst auf die nächste Straße hetzt?

Ein Jagderfolg, immer die Verlockung! Das sollten Sie nie vergessen. Hat Ihr Hund einmal ein für ihn positives Erlebnis, vergisst er das sicher nicht! Es wird sehr schwer, manchmal sogar unmöglich, diese dank Ihnen erworbene Triebbestätigung wieder zu korrigieren. Hierfür bedürfte es eines sehr guten und erfahrenen Hundetrainers.

Ich für meinen Teil habe keine Schwierigkeiten mit meinen Hunden in der Öffentlichkeit. Und ich werde Ihnen auch erklären wieso. Sicherlich begegne auch ich oft voreingenommenen Nicht-Hunde-Menschen, die bereits die ein oder andere schlechte oder ganz schlechte Erfahrung mit Hundemenschen und ihren Schützlingen gemacht haben. Die offensichtliche Aggression die einem anfänglich entgegenschlägt, ändert sich meist nach wenigen Sekunden, wenn man diesen Menschen etwas entgegen kommt. Meine Hunde sind immer in „Abrufnähe“. Habe ich Hunde bei mir, die nicht sicher auf Zuruf reagieren, werden sie an einer Schleppleine oder einer langen Führleine gehalten. Niemals sollten diese Hunde frei von der Leine und dem Einwirkungsradius des Besitzers sein. In der Regel sieht man Gegenverkehr in einiger Entfernung. Für den aufmerksamen Hundeführer genügend Zeit, seine Schützlinge um sich herum zu versammeln. Je nach Art, Größe und Gesundheitszustandes des Hundes befehle ich die Hunde ins Sitz oder Platz. Nur bei sehr kleinen Hunden lasse ich Diese Stehen. Ausnahmen darf es eigentlich nicht geben. Auch wenn der Hund noch so harmlos ist und den Spaziergänger oder –Fahrer nicht einmal zur Kenntnis nimmt, sollte der Hund zum Besitzer gerufen oder direkt auf Entfernung im Feld abgelegt werden. Denken Sie immer daran, die Menschen die Sie treffen kennen Ihren Hund nicht.

Bei Kindern, alten Menschen und auch Reitern sollte man besondere Sorgfaltspflicht walten lassen. Kinder können sich durch heranpreschende Tiere so erschrecken, dass sie nachhaltig Schwierigkeiten im Umgang mit Hunden haben. Bei älteren Menschen ist das Verletzungsrisiko sehr hoch, wenn sie durch Schreck oder Anspringen eines Hundes das Gleichgewicht verlieren und stürzen. Unverhältnismäßig hoch ist das Risiko bei ungewollt intensivem Kontakt zwischen Hunden und Pferden. Sind Pferde bzw. Reiter in der Nähe sollten Sie als Hundehalter besonders vorsichtig sein und auch hier den Hund umgehend abrufen. Pferde sind Fluchttiere und neigen oft dazu sehr situationsfremd überzogen zu reagieren. Sei es nun, weil der fremde Hund zu nah an das Pferd kommt, oder mit dem mitgeführten Reiterhund eine Auseinandersetzung anzettelt. Das Risiko, dass bei einer Konstellation Pferd – Hund Dritte unbeteiligte zu Schaden kommen ist sehr groß.

Wenn ich mit meinen Hunden an Kindergarten-, Spielplatz- und Schulanlagen vorbei komme, rufe ich die Tiere zu mir und leine sie gegebenenfalls an. Zum einen ist es nicht sehr angenehm, wenn z.B. ein Rüde jeden Pfosten des Klettergerüstes einzeln als sein Eigentum markiert und der Sandkasten als privates Knochengrab missbraucht. Andererseits kommt es immer wieder zu Vorfällen, weil Mütter extrem sensibel auf fremde Hunde im Umfeld ihrer Kinder reagieren. Oft wird hysterisch versucht den Hund zu vertreiben, was das Tier, außerhalb jedes Einflusses des Besitzers und dadurch schnell verunsichert, oft panisch werden lässt. Das daraus entstehende Resultat ist im Besten fall ein wild kläffender, sich zurückziehender Hund.

Ein weiterer großer Streitpunkt ist immer wieder die Bekotung der Wiesen durch freilaufende Hunde. Und auch hier ist der Hundehalter gefragt. Sicherlich ist das Argument der Landwirtschaft bezüglich der Ansteckung des Viehs mit durch den Kot übertragenen Würmern sehr weit aus Grimms Märchenwelt her geholt. Der durchschnittliche Haushund wird mehrfach im Jahr und regelmäßig entwurmt. Somit ist eine Übertragung ausgeschlossen. Des Weiteren wäre eine Ansteckung durch die auf den Höfen frei lebenden, nicht gepflegten und nicht entwurmten Hofkatzen und wildlebende Marder, Iltisse und Füchse um ein vielfaches wahrscheinlicher. Dennoch muss sich der Hundehalter sich seiner Pflicht bewusst sein, die Felder und Spazierwege nicht wahllos zu verunreinigen. Ein kleiner Hundehaufen durch die Mäh- und Wendefahrzeuge auf große Grasflächen verteilt. Diese verunreinigten Grashäufen werden von den Kühen nicht mehr als Nahrung konsumiert, verständlicher Weise. Mal ehrlich, Sie finden es doch schon unangenehm, wenn Sie in ein Häufchen getreten sind. Wie unappetitlich würden Sie es finden, wenn Sie es als Brotzeit serviert bekämen?

Manche Landwirte und Anwohner gehen mit gutem Beispiel voran und haben in ihrer Not selbst Vorrichtungen an den Spazierwegen installiert, an denen der Gassi-Geher nur noch die Tüte herausnehmen muss, um die Hinterlassenschaft seines Lieblings einzusammeln und ordentlich im Müll zu entsorgen. Einfacher geht es nun wirklich nicht mehr. Und jeder kann eine Plastiktüte für den „Notfall“ einstecken. Ein bisschen Entgegenkommen und schon entspannt sich die Situation der ewigen Beschimpfungen und Diskussionen. Und werden Sie von einem Landwirt auf Ihren Hund angesprochen, dann ziehen Sie doch einfach (nicht ohne jeden Triumph) das Tütchen aus der Tasche. Was sollte er dann noch gegen einen Spaziergang an seinem Feldrand einzuwenden haben? Sie werden ein beeindrucktes und nettes Gegenüber wieder finden, statt des zornesroten Gesichts das sie vom Traktor herunter angeherrscht hat. Und sie werden in aller Seelenruhe und ohne Beschuldigungen Ihrer zukünftigen Spazierwege ziehen können. Ich denke, dass es das durchaus Wert ist.

Wenn Sie diesen einfachen und durchaus durchführbaren Tipps bei Ihren nächsten Spaziergängen anwenden, werden Sie feststellen, dass Ihnen Ihre hundlose Umwelt sehr viel aufgeschlossener und freundlicher entgegen geht. Arbeiten Sie an der Erziehung Ihres Hundes, lernen Sie mit einem qualifizierten Trainer Ihren Hund abrufbar zu machen und korrigieren Sie gegebenenfalls Ihre Kenntnis der Körpersprache des Hundes und Ihre Einstellung zu Ihren Mitmenschen.

Wenn wir Hundehalter uns etwas Mühe geben, werden viele der „hundehassenden“ Freizeitrambos verschwinden, so wie sie aus dem Boden geschossen sind. Ein paar Unbelehrbaren werden wir nie zufrieden stellen können. Aber es gibt überall schwarze Schafe, die ihre Unzufriedenheit mit sich und der Welt an der schwachen Kreatur auszulassen versuchen. Wenn ich auf solche Menschen treffe, belächle ich sie mitleidig und empfehle höchst freundlich einen guten Therapeuten aufzusuchen. Das wirkt meist Wunder. Man kann die Welt nicht verändern, aber man kann kleine Schritte machen. Denn jeder noch so lange Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und jeden Schritt muss man selbst machen, um voran zu kommen. Viel Erfolg für viel weitere glückliche Jahre mit Ihrem Wegbegleiter Hund!
Pflegerin Michaela