Tierschutz und Urlaubsziele

Wie viele andere Urlauber steht auch der tierliebende Mensch alljährlich vor der Entscheidung: Wohin im Urlaub, der wenigen Zeit der Ruhe und Entspannung? Sieht man diese Frage aus der Sicht des Tierschutzes wird es ziemlich düster am Horizont.

Eines der bekanntesten und makabersten Events ist der traditionelle Stierkampf in Spanien. Der Stier wird unter extremem Stress durch die Arena gejagt, der Torero unterstützt von mehreren Gehilfen, sticht immer wieder mehrere Lanzen in den Körper des Tieres. Ein ungleicher Kampf, bei dem der Stier nur selten einen kleinen Teilerfolg erzielen kann. Der Todesstoß darf nur von einem erfahrenen Torero ausgeführt werden und muss eigentlich sofort tödlich wirken. Nur allzu oft ist das nicht der Fall und der Stier verendet unter qualvollen Schmerzen und wiederholtem Zustechen des unfähigen Toreros. Ein in unserer Zeit ethisch nicht zu tolerierendes Spektakel und dennoch füllen viele deutsche Touristen die Arenen und auch die Kassen der Veranstalter.

Ähnlich steht es um die Hahnenkämpfe in Frankreich. Hier werden den aggressiv gezüchteten Hähnen scharfe Klingen an die Füße gebunden, mit denen sie aufeinander einhacken, bis ein Tier tot oder sterbend zusammenbricht.

Auch die Hundekämpfe in England funktionieren nach diesem Prinzip, nur das die Waffen die Hunde selbst sind. Die Hunde werden extra aggressiv gezüchtet und vor dem Kampf aufgeputscht. Sie werden aufeinander gehetzt mit dem Ziel, sich gegenseitig zu zerfleischen. In den meisten Fällen endet das für eines der Tiere tödlich. Sollte der Unterlegene überleben, wird er in der Regel künftig als Trainingsgerät für „schärfere“ Hunde verwendet, bis er dabei stirbt. Die Besitzer solcher Hunde oder Hähne kassieren enorme Summen, zum Teil von bejubelnden Urlaubern finanziert.

Das Taubenschießen in südeuropäischen und südamerikanischen Ländern ist ein beliebter Freizeitsport. Den Tauben werden die Steuerfedern geschnitten, was das Manövrieren in der Luft nahezu unmöglich macht. Weigert sich ein Tier zu fliegen, werden ihm Federn ausgerissen und die Wunden mit Salz berieben, damit das Tier vor Schmerz los fliegt. Dann hat der Schütze seinen Auftritt. Trifft er das Tier nicht exakt, stürzt das Tier zu Boden und wartet bis ihm von einem der Helfer die Kehle zugedrückt wird. Um ein guter Schütze zu sein, bedarf es viel Übung am lebenden Tier, d.h. bereits vor den Turnieren lassen unzählige Tauben auf diese Art ihr Leben. Beim Weltturnier der Taubenschützen 1986 in Buenos Aires wurden ca. 30000 Tauben abgeschossen.

Die Bärenkämpfe in Rumänien und weiteren Ostländern sind auch an Grausamkeit kaum zu überbieten. Einem Bären, meist Braunbären, werden Zähne und Klauen gezogen, er wird an einer Kette mit geringem Radius fixiert. Dann werden mehrere scharfe Hunde auf ihn gehetzt. Wird ein Hund verletzt oder getötet, wird er durch einen neuen ersetzt. Der Bär hat keine Chance und stirbt einen langsamen und ausgesprochen qualvollen Tot.

Diese Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen. Ob Ziegenstürzen von Kirchtürmen in Italien, Aufhängen, Verbrennen oder Vergiften von Hunden in Spanien, Griechenland und weiteren südlichen Ländern, Rodeo auf gezähmten Pferden in den USA, die Liste nimmt kein Ende. Doch weder das Ziegenstürzen, noch der Hahnen- und Stierkampf können derzeit verboten werden, obwohl bereits ein Großteil der heimischen Bevölkerung dagegen Sturm läuft, weil die Europäische Union im Amsterdamer Protokoll von 1997 den Tierschutz zwar grundsätzlich dort verpflichtend verankert hat, aber die Einschränkung angebracht hat, dass unter anderem die „Gepflogenheiten der Mitgliedsstaaten insbesondere im Bezug auf religiöse Riten, kulturelle Traditionen und das regionale Erbe“ zu berücksichtigen sind. Auf diesen Passus können sich die Länder der Tierquälereien berufen und unsere Touristen finanzieren die tierquälerischen Veranstaltungen durch ihre Eintrittsgelder und Wetten.

Deshalb sollte man sich ganz genau überlegen, wo man seinen nächsten Urlaub verbringen möchte, oder zumindest vor Ort ganz klar Stellung für die Tiere beziehen und an solch quälerischen Spektakeln nicht teilnehmen. Nur dann haben wir eine Chance, dass sich diese Dinge irgendwann ändern.

Papst Paul VI hat einst eine klare Aussage der Kirche zu diesem Thema getroffen:
„ Die Gesetze, die die bestrafen, die Tiere misshandeln oder nach brutalen Methoden schlachten, stehen in vollkommenem Einklang mit der katholischen Moral und haben die Unterstützung der Kirche. Die Misshandlungen von Tieren ist nach christlichem Standpunkt ein verwerflicher Akt der Grausamkeit. Sowohl das Schießen auf lebende Tauben, wie jede Sportart, die auf unnötige Grausamkeit gegen Tiere beruht, müsste verboten werden. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Stierkampf.“

Ich denke, dass die Katholische Kirche besonders in den ja oft streng katholischen, südlichen Ländern einen großen Einfluss ausüben könnte. Hoffen wir dass Papst Benedikt der XVI dies genauso sieht wie einer seiner Vorgänger Papst Paul VI und dem Wahnsinn endlich Einhalt zu gebieten versucht.